Digitale Chronik
In der Geschichte der Gemeinde stöbern, neue Ereignisse anlegen und für die Nachwelt bewahren - Dies ist zukünftig an dieser Stelle möglich.
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- Der Lindenberg in Jühnsdorf
"Der ... Lindenberg lockte bei Beginn unserer Tätigkeit am meisten; es reizte uns, ihm sein Geheimnis zu entreißen."1, schreibt der Heimatforscher Karl Hohmann 1927 im Teltower Kreiskalender. In seinem Artikel aus Jühnsdorfs vorgeschichtlicher Zeit berichtet er von einer frühen Untersuchung am Westrand des Berges.
Aus den Zeilen Hohmanns geht hervor, dass er bereits vor der Grabung mit geübtem Blick erkannte: "Dieser Mangel an vorgeschichtlichen Beobachtungen schien mir bei der geographischen Lage Jühnsdorfs seltsam."2
Heute, fast hundert Jahre später, nehmen wir den Lindenberg vielleicht als sandige Erhebung im Südwesten der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow wahr; als unscheinbaren Hügel, der an sonnigen Tagen zu Spaziergängen einlädt. Doch der Lindenberg ist mehr als seine Topographie oder ein Naherholungsgebiet vor der eigenen Haustür.

Die ersten Siedler auf dem Lindenberg
Wie im Zitat bereits angedeutet, ergibt sich die Besonderheit des Berges durch seine frühe Besiedlung, als während des Mesolithikums (etwa 10.000 – 3200 v. Chr.) eine kleine Gruppe von Menschen beschloss, sich hier niederzulassen. Ihre Attraktivität als Siedlungsplatz erhielt die kleine Anhöhe durch die Insellage.
Die Weichsel-Kaltzeit (etwa 115.000 – 11.600 v. Chr.) war erst wenige tausend Jahre zuvor zu Ende gegangen, erdgeschichtlich betrachtet ein Wimpernschlag und hatte eine sumpfige, wasserreiche Landschaft zurückgelassen, aus der die Erhöhung hervorragte und sich als Siedlungsplatz anbot.
Wohnen in der Mittelsteinzeit
Doch wie können wir uns die Siedlungs- und Lebensweise eines Menschen der Mittelsteinzeit vorstellen? Mitte der 1970er Jahre schrieb Bernd Fischer, einer der bedeutendsten Bodendenkmalpfleger Südbrandenburgs dazu:
"Mehrere bedeutende brandenburgische Fundstellen des Mesolithikums liegen im Kreis Zossen. … Der bereits im Jahre 1926 durch K. Hohmann untersuchte Fundplatz auf dem Lindenberg … lieferte die ersten gesicherten Wohnbautenreste der mesolithischen Bevölkerung. Zwei freigelegte Hüttengrubenverfärbungen hatten eine Ausdehnung von 3x2,5 m (Tiefe 1,1m) und 3x1,5 m (Tiefe 1,9 m). … Über den Aufbau der Wohnbauten konnten keine Befunde gewonnen werden, doch lassen Beobachtungen von anderen Grabungsorten darauf schließen, daß der Oberbau aus einem Stangengerüst mit Zweigen, Reisig, Schilf bestand."3
Werkzeuge und Fundstücke aus der Steinzeit
Charakteristisch für diese Zeit ist auch das Fundmaterial aus schwer vergänglichem Material das hier gefunden wurde, dazu gehören z.B. aus Feuerstein gearbeitete Pfeilspitzen. Gefunden wurden aber auch Beile aus Stein, oder aus Knochen und Geweih gefertigte Harpunen und Angelhaken.
Ernährung und Nahrungssuche
Es ist davon auszugehen, dass sich eine Großfamilie auf dem Lindenberg niederließ, die aus mehreren Generationen bestand und hier ein Lager anlegte. Von diesem Lager brachen Mitglieder immer wieder auf, um Nahrung zu beschaffen. Von Frühjahr bis Herbst stand in Form von Früchten, Kräutern, Nüssen oder Pilzen, ausreichend Nahrung zur Verfügung.
Auch das Angebot an Fleisch war vielfältig und reichte von Fischen wie etwa aus dem nahegelegenen Rangsdorfer See, über Vögel, hin zu Reh- und Rotwild. Für die Zeit ab Spätherbst bis zum nächsten Frühjahr musste durch Vorratshaltung das Überleben gesichert werden.
Bekannt ist, dass in der Mittelsteinzeit Fleisch und Fische in Streifen geschnitten, geräuchert und gedörrt wurden, um sie haltbar zu machen. Auch Kräuter, Pilze und Früchte wurden getrocknet.
Verwendete Literatur:
- Bernd Fischer, Aus der Ur- und Frühgeschichte des Kreises Zossen, Heimatkalender für den Kreis Zossen 1977, Seite 31-38.
- Karl Hohmann, Aus Jühnsdorf vorgeschichtlicher Zeit, in: Teltower Kreiskalender 1927, Seite 35-50.
- Menschenwechsel. Jungpaläolithikum und Mesolithikum (Begleithefte zur Dauerausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, Band 2), herausgegeben von Harald Meller, Halle (Saale) 2005.
Quellenangaben:
- Vgl. Karl Hohmann, Aus Jühnsdorfs vorgeschichtlicher Zeit, in: Teltower Kreiskalender 1927, Seite 35-50, hier Seite 35.
- Vgl. ebenda, Seite 35.
- Vgl. Bernd Fischer, Aus der Ur- und Frühgeschichte des Kreises Zossen, in: Heimatkalender für den Kreis Zossen 1977, Seite 31-38, hier Seite 31-32.
Dr. Susanne Wölfle-Fischer im Mai 2026
- Die urkundliche Ersterwähnung Mahlows
Urkundliche Ersterwähnungen haben in der Geschichte märkischer Dörfer stets eine Sonderstellung. Jahrhunderte alt, reichen sie zurück ins Mittelalter, eine Zeit also, zu der kaum historische Quellen vorliegen, um sie wirklichkeitsnah abzubilden. Als ältestes schriftliches Zeugnis eines Dorfes, werden urkundliche Ersterwähnungen als Anfang der Ortsgeschichte verstanden und geben zu runden Jahrestagen Anlass sie festlich zu begehen.
Das ist bei Mahlow nicht anders. Seine Ersterwähnung findet sich in einer auf den 16. Februar 1287 datierten Schenkungsurkunde. Das Schriftstück aus Pergament trägt das Siegel Markgraf Otto IV. (1266-1309). Es hat die Maße 20 x 11,5 cm und wird im Geheimen Staatsarchiv in Berlin Dahlem verwahrt (siehe Bildausschnitt).

Aus dieser Urkunde geht eindeutig hervor, dass "duos mansos in villa malow" also zwei Hufen des Dorfes Mahlow dem Nonnenkloster in Spandau geschenkt wurden. Und zwar von "Jacobus dictus de vorlant et sua filia", also von Jakob genannt Vorlant und seiner Tochter.
Nach den Worten "et sua filia", weist die Urkunde eine Lücke auf, offensichtlich sollte hier noch der Name des Mädchens eingefügt werden, was dann nicht nachgeholt wurde.
Solche Schenkungen stellen in der märkischen Geschichte keine Besonderheit dar. Es war durchaus üblich, sie einer Novizin als Mitgift ins Kloster mitzugeben. Durch sie war das Mädchen mit einer Art festen Rente ausgestattet, mit der es seinen Lebensunterhalt bestritt.
Das galt auch für das Nonnenkloster in Spandau, dass 1239 als Benediktinerinnenkloster St. Marien gegründet wurde und als Frauenkonvent zur Aufnahme der Töchter markgräflicher Vasallen diente.
Bestätigt wurde die Schenkung vom bereits erwähnten Markgrafen Otto, der diese Ländereien damit aus seiner Lehnsverbindlichkeit entließ und in die des Klosters übergab.
Als Zeugen treten die Herren Johannes aus Berlin, Arnold Weger aus Spandau, Albert von Snethelinge und Hermann von Karpzow auf. Urkundungsort war Spandau. Zweifelsfrei ist am Ende der Urkunde auch von "Anno … milleis ducent octuagesimo septimo" die Rede, also von 1287 als Jahr der Ausstellung.
Diese Jahreszahl sei an dieser Stelle besonders betont, weil in der heimatkundlichen Literatur immer wieder von 1280 als Jahr der Ersterwähnung Mahlows die Rede ist. Dieses Jahr geht jedoch auf einen Übertragungsfehler Mitte des 16. Jahrhunderts zurück.
Nach Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg, nahmen die Visitatoren der ersten evangelischen Kirchenvisitation im April 1541 den im Kloster vorgefundenen Urkundenbestand mit Inhaltsangabe und Ausstellungsjahr in ein "Inventarium der hauptvorschreibungen vnd brieue des junckfrauen Klosters vor Spandow" auf.
Im Fall von Mahlow fand an Stelle von 1287 die Jahreszahl 1280 Eingang in die Auflistung. Ohne Korrektur wurde das Urkundeninventar 1904 im Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte veröffentlicht und daraufhin von einigen Autoren übernommen.
Verwendete Literatur:
- Fritz Curschmann, Ein Urkundeninventar des Klosters Spandau in: Jahrbuch für Brandenburgische Kirchengeschichte (herausgegeben von Nikolaus Müller). Berlin 1904, 1. Jahrgang, Seite 36-50.
- Susanne Wölfle-Fischer, 725 Jahre Mahlow (1287-2012). Von der urkundlichen Ersterwähnung bis zur Gegenwart, Berlin 2011.
- Urkundliche Ersterwähnung Mahlows, Geheimes Staatsarchiv PK, VII. HA Urkunden, Nummer 400.
Dr. Susanne Wölfle-Fischer im März 2026
- Die Teltower Sagen
Was haben der Dorfteich in Jühnsdorf, der Windmühlenberg in Glasow und der alte Kirchhof in Dahlewitz gemeinsam? Die Antwort überrascht: Alle drei Orte sind Schauplatz einer Sage.
Rund 15 solcher Sagenorte befinden sich auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Blankenfelde-Mahlow. Hier treiben Riesen, Kobolde und Gespenster ihr Unwesen, ein kopfloser Reiter soll durch die Nacht ziehen und sogar der Teufel hinterließ seine Spuren.
Dass diese Geschichten bis heute überliefert sind, ist vor allem zwei engagierten Heimatforschern zu verdanken: den Lehrern Fritz Jungnitsch aus Mahlow und Walter Garnatz aus Groß Kienitz. Beide lernten sich Ende der 1920er Jahre über den Heimatmuseumsverein des Kreises Teltow kennen und fassten den Entschluss, die mündlich überlieferten Sagen der Region zu sammeln und für die Nachwelt festzuhalten.
Wie wenig die Teltower Sagenwelt bis dahin erforscht war, zeigt ein Blick in das Werk Die Sagen der Mark Brandenburg von Wilhelm Schwarz aus dem Jahr 1871. Während dort zahlreiche Überlieferungen aus Potsdam, dem Havelland oder der Uckermark enthalten sind, fehlen Sagen aus dem Teltow vollständig.
Nach ersten Veröffentlichungen in der Heimatbeilage Heimat und Ferne des Teltower Kreisblatts sowie im Teltower Kreiskalender erschien schließlich 1932 die Sammlung Teltower Sagen. Erstmals wurden darin nahezu 200 Sagen veröffentlicht, die durch Befragungen in zahlreichen Ortschaften des Kreises zusammengetragen worden waren. Die Drucklegung beim Berliner Verlag August Scherl konnte nur dank einer umfangreichen Vorausbestellung durch den Kreis Teltow finanziert werden.
Heute ist das Buch nur noch antiquarisch erhältlich. Umso wertvoller sind die darin bewahrten Geschichten, die einen faszinierenden Einblick in die Vorstellungswelt vergangener Generationen geben. Zwei Beispiele aus dem Gebiet der heutigen Gemeinde Blankenfelde-Mahlow sollen dies verdeutlichen.

Herr von Zülow auf Dahlewitz
Vor mehr als hundert Jahren gehörte das Gut Dahlewitz einem Herrn von Zülow, über dessen Leben zahlreiche Geschichten erzählt wurden. Sein Tod soll ebenso ungewöhnlich gewesen sein wie sein Wesen. Einer Überlieferung zufolge wurde er von einem durchgehenden Schimmel so unglücklich gegen ein Stalltor geschleudert, dass er dabei den Kopf verlor. Andere Berichte erzählen, er habe sich bei einem wilden Ritt im Wald tödlich verletzt.
Beigesetzt wurde er in der Gruft neben der Dahlewitzer Kirche. Doch Ruhe fand er der Sage nach nicht. In hellen Mondnächten soll er noch immer auf einem weißen Pferd entlang des Grenzgrabens reiten – den eigenen Kopf unter dem Arm tragend. Andere wollen ihn auf dem alten Kirchhof neben seiner Gruft gesehen haben.
Nach dem Bericht des Lehrers Max Griesbach in Dahlewitz, aus: Walter Garnatz/Fritz Jungnitsch (Herausgeber), Teltower Sagen, Berlin 1932, Seite 7.

Die geraubte Glocke
"Als die Blankenfelder in ihrer Kirche die erste Glocke aufhängten, war der Teufel sehr böse. Er wollte die Glocke rauben. Um Mitternacht ging er über den Kirchhof hinweg in die Kirche. Der Nachtwächter hatte ihn aber erkannt, und er weckte gleich die Bauern. Als sie an den Kirchturm kamen, hatte der Teufel die Glocke schon abgenommen und erhob sich gerade mit ihr, um nach dem Jühnsdorfer Wald zu fliegen. Die Bauern rannten hinterher und warfen mit Eichenknüppeln nach ihm. Der Teufel bekam plötzlich einen Schlag, erschrak darüber und ließ die Glocke fallen. Sie sank tief in die Erde hinein. Am nächsten Tage gruben die Blankenfelder ihre Glocke wieder aus. An dieser Stelle liegt heute der Dorfpfuhl."
Nach dem mündlichen Bericht des Gutsgärtners H. Ziedrich in Blankenfelde, aus: Walter Garnatz/Fritz Jungnitsch (Herausgeber), Teltower Sagen, Berlin 1932, Seite 45.
Verwendete Literatur:
- Wilhelm Schwarz, Sagen der Mark Brandenburg, 9. Auflage, Berlin ohne Jahr.
- Walter Garnatz/Fritz Jungnitsch, Die geschichtlichen Sagen des Kreises Teltow, in: Teltower Kreiskalender, 28. Jahrgang (1931), Seite 42-48.
- Walter Garnatz/Fritz Jungnitsch, Die Teltower Sagen, Sagen und Geschichten aus dem Kreise Teltow, Berlin 1932.
- Heimat und Ferne, Ausgaben vom 7. und 28. Januar 1930, 18. und 25. Februar 1930, 18. März 1930 sowie 26. April 1932.
- Susanne Wölfle-Fischer, Wie Walter Garnatz Geschichte und Kultur des Kreises Teltow bereicherte, in: Heimatjahrbuch Teltow-Fläming 2007, Seite 100-106.
Dr. Susanne Wölfle-Fischer im Februar 2026
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