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Ortsteil Mahlow
06.08.2020

Ehemaliger Deponiestandort in Mahlow wird Lebensraum für geschützte Vogelarten

Mit der zunehmenden baulichen Verdichtung des Siedlungsraumes gehen mehr und mehr naturnahe Strukturen wie krautig bewachsene Abstandsflächen, dichte Gebüsche und Hecken oder alte Bäume mit Astlöchern und Totholz verloren. Damit schwindet der Lebensraum für eine Vielzahl an wildlebenden Tier- und Pflanzenarten. Eine ehemalige Deponiefläche wie die Deponie "Am Friedhof" in Mahlow, die keiner erneuten wirtschaftlichen Nutzung oder Bebauung zugeführt werden kann, bietet hier die Chance zur Schaffung vielfältiger Ersatzlebensräume.

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Blick auf das ehemalige Deponiegelände © Gemeinde Blankenfelde-Mahlow

Schon im Jahr 2016 wurde im Neubaugebiet Musikerviertel in Mahlow das Vorkommen geschützter Vogelarten wie dem Braunkehlchen, dem Neuntöter und dem Bluthänfling dokumentiert. Auslöser für dieses seltene Vogelvorkommen war die Tatsache, dass die im Jahr 2003 geplanten und genehmigten Bauflächen des Musikerviertels über Jahre brach lagen und sich infolge dessen hier eine mit Gehölzen strukturierte pflanzartenreiche Offenlandschaft entwickelt hatte. Mit der zunehmenden baulichen Inanspruchnahme dieser Freiflächen ab dem Jahr 2016 war die Gemeinde gefordert einen adäquaten Ersatzlebensraum für das festgestellte seltene Vogelvorkommen bereitzustellen.

Auf Grundlage eines "Artenschutzkonzeptes zur Entwicklung von Offenlandschaften auf der Deponie Mahlow" genehmigte die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Teltow-Fläming 2016 die weitere bauliche Inanspruchnahme der Bebauungsplanflächen im Musikerviertel und beauflagte die Gemeinde mit der vollständigen Umsetzung der geplanten Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen auf der ehemaligen Deponiefläche. Diese Pflegekonzeption erstreckt sich über einen Zeitraum von 25 Jahren und beinhaltet folgende wesentliche Maßnahmen:

  • bis 2020 Einstellung der Mahd der Wiesenfläche und ab 2021 Mahd nur noch im jährlichen Wechsel auf einem Drittel der Gesamtfläche mit anschließender erneuter fünfjähriger Pflegeruhe
  • regelmäßige Beseitigung des sukzessiven Gehölzaufwuchses im östlichen Offenlandbereich
  • Bekämpfung invasiver Arten und Neophyten auf der gesamten Deponiefläche
  • Durchführung regelmäßiger Untersuchungen zur Bestandsentwicklung des Vogelvorkommens als Grundlage für eventuelle Anpassungen oder Änderungen im Pflegeregime

Im Zuge Bestandsuntersuchungen 2017 und 2019 konnten bereits eine Reihe seltener und geschützter Vogelarten, wie z.B. Bluthänfling, Feldlerche, Grünspecht, Neuntöter oder Pirol dokumentiert werden. Ein Vorkommen der Zielart Braunkehlchen wurde bislang leider noch nicht festgestellt. Mögliche Ursachen dieses Fehlens können die Beunruhigung des Bodenbrüters durch freilaufende Hunde oder das Fehlen wichtiger Habitatsstrukturen sein.

Ein Faktor für die Lebensraumwahl des Braunkehlchens ist u.a. das Vorhandensein von "Überständern", d.h. von Elementen in der Landschaft, die die übrige Vegetation überragen. Sie werden als Jagdansitz, Singwarte, Anflugstelle zum Nest oder Ruheplatz genutzt. Da dies auf der Fläche bislang fehlen wurden auf der Wiesenfläche im Frühjahr unbehandelte Robinienholzpfähle mit Höhen von ein bis anderthalb Meter gesetzt, um das Deponieareal für das Braunkehlchen noch attraktiver zu machen.

Neben Vogelarten bietet der Standort der ehemaligen Deponie "Am Friedhof" natürlich auch vielen anderen Tierarten wie Lurchen und Reptilien oder Insekten neuen Lebensraum. Seitens des Imkervereins Blankenfelde wurde bereits das Interesse zur Einrichtung eines Lehrpfades für Bienen und Wildbienen bekundet.

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Sitzplatz auf der Kuppe der Deponie © Gemeinde Blankenfelde-Mahlow

Die ehemalige Deponiefläche hat jedoch nicht nur Bedeutung als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sie hat selbstverständlich auch einen besonderen Wert als Ort für die Freizeit- und Erholungsnutzung durch Anwohner und Besucher. Entsprechende Maßnahmevorschläge zur Verbesserung des Erholungswertes wurden im Rahmenplan Freiraumentwicklung Mahlow Dorf erarbeitet und von der Gemeindevertretung als Leitlinie für die weitere Freiraumentwick-lung vor Ort beschlossen.

Ziel der Planung ist u.a. die Verbesserung des Standortes ehemalige Deponie "Am Friedhof" in Hinblick auf die Erreichbarkeit, Zugänglichkeit und Aufenthaltsqualität. Eine erste gestalterische Maßnahme in diesem Zusammenhang ist der Bau eines Sitzplatzes auf der Kuppe der Deponie mit Pflanzung eines Großbaumes und Einbau von Bohlenbänke.

 

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